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„Wo ist der Punk geblieben?“, fragt Fabian Bottler im gleichnamigen Song, so als könne die Gegenwart doch nicht unser Ernst sein, so als könne das alles hier eben nicht alles gewesen sein – und bringt damit auf den Punkt, wofür seine Band Exclusive steht. Denn das Post-Pop Soundsystem aus München kann etwas, das in Musikdeutschland selten vorkommt: überraschen.

Allein schon „Exclusive“. Sie waren 16, brauchten einen Bandnamen und der Slogan stand halt zufällig auf einem alten T-Shirt von Bottler – doch genau diese Beiläufigkeit zeugt von einer Chuzpe, von der man dachte, man würde sie nur noch bei Rappern finden. Eine Coolness, die lang verloren schien und von der man jetzt merkt, wie sehr man sie vermisst hat: große Gesten – aber ohne Hipster-Ironie, ohne toxic masculinity, ohne narzisstisches Getue. Exclusive injizieren die Energie, die Frische, die Aufmüpfigkeit von Punk in heutigen Pop.

Dabei sind Exclusive doch auch einfach nur fünf Kindergartenfreunde, die Musik auf Deutsch machen, die halt tatsächlich geil ist. Die netten Jungs von nebenan, die bei „Rock im Park“, „Rock am Ring“ und unter so ziemlich jedem anderen freien Himmel die Menge elektrisieren. Und die den New Music Award eingesackt haben – wie etwa die Leoniden, Kraftklub oder Bonaparte. Und nirgendwo Geringeres als in dieser Riege sollte man Exclusive auch einreihen.

Alles begann vor zehn Jahren in der Neuturmstraße 5 in München. Im legendären Atomic Café, in dem so ziemlich alle großen Indiebands wie etwa Arctic Monkeys, Mumford & Sons oder die Libertines vor ihrem Durchbruch auftraten, erspielten sich Markus Harbauer, Christian Rehländer, Johannes Wimmer und Fabian Bottler kurz vorm Abi in verschwitzten Druffi-Nächten das Ansehen der Indie-Szene. Später stieß Benedikt Höcherl an der Gitarre dazu, die englischen Texte wichen deutschen und anstelle des Britpops entwickelte das vielseitige Kollektiv einen eigenwilligen Stil, der hierzulande unvergleichlich ist.

Bässe, die unter der Bauchdecke brummen, Funk wie direkt aus der Hüfte gestoßen, dieser unverschämte Groove zu Hochglanz-Synths, bei denen man nostalgieverliebt ist und gleichzeitig Bock auf die Zukunft hat. Überhaupt, Bock! Diese sexy, ausgeklügelte, ja, „exklusive“ Mixtur nennt die Band selbst „Post Pop Soundsystem“. Der ultra-ästhetische Sound dieser letzten würdigen Vertreter der 90’s-Kids hat das Zeug, Avantgarde der Masse zugänglich zu machen. „Wir wollen Impulse zur ästhetischen Weiterentwicklung der deutschsprachigen Musik setzen“, nicht mehr und nicht weniger, so bringen die Musiker ihre Vision selbst auf den Punkt. Exclusive schaffen es, zeitlos zeitgeistig zu sein.

Und natürlich haben die fünf Typen ganz nebenbei auch noch Style: Sänger Fabian Bottler, der eben noch nahbar im Biergarten Interviewfragen beantwortet, räkelt sich im nächsten Moment im hyper-stylischen Video zur einstigen Single „Spieler“ auf einem Stuhl und ist dabei so mondän wie ein junger Bowie und so verwegen wie ein moderner Billy Idol. Ganz zu schweigen von Bottlers unfassbarer Stimme: Nicht umsonst zogen diverse Kritiker von Anfang an Rio-Reiser-Vergleiche, weil alles drunter wäre eben zu wenig gewesen angesichts dieses stimmlichen Charismas. Bottler krächzt, raunt, berstet, kann sich in einem Moment süß anschmiegen, nur um sich im nächsten in Ekstase hochzuschrauben. Noch nie sang er so markant, so dringlich und gleichzeitig nonchalant wie auf dem neuen Album „Lieder für die Autobahn“.

Mit ihrem dritten Langspieler legen Exclusive ein Werk mit einer Leichtigkeit vor, als sei es das Einfachste der Welt, Songs zu schreiben, die man sofort seinen besten Freunden schicken will, und dabei eine Kunstfertigkeit an den Tag zu legen, mit der man mal eben die Grenze zwischen Indie und Mainstream füllt. Ein Gesamtpaket, von dem man sich fragt, wie man es ohne sie in der deutschsprachigen Musiklandschaft die letzten Jahre ausgehalten hat.

Bereits das Debüt „Nachtmensch“ von 2012 offenbarte diese typische Exclusive-Energie: dass man sich vergnügen kann, ohne in unseren hochpolitisierten Zeiten das große Ganze aus den Augen zu verlieren, wie man ernst sein kann, ohne zu verbittern. Exclusive können beides – und alles dazwischen.

Das neue Album „Lieder für die Autobahn“ markiert den bisherigen Höhepunkt des Schaffens der Münchner. Die Lust am Experimentieren mit Melodien, Sprache, Trends blubbert und brodelt und quillt aus jedem Track. Der Albumname erinnert an die Zeit, in der man für Freunde Mixtapes gebrannt hat und kurzerhand mit Filzstift eine Beschriftung auf den Rohling geschmiert hat – eben mit so konkreten Titeln wie „Lieder Für Die Autobahn“.

Kaum ein Bild passt besser zu dieser Band und ihrem neuen Wurf: Freiheit mit Sehnsucht verbinden – ohne Limit und mit ordentlich Tempo. „Kurz ist das Leben, lass uns mitfahren... es gibt noch Plätze auf der Rückbank“ sagen die fünf. Aufbruch. Nach vorn. Bei Exclusive sollte man auf jeden Fall einsteigen – und während der Fahrt laut aufdrehen.


Management

Moritz Gombert
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